Jonas Hurter auf einer Solaranlage der Regionalwerke Baden

Nachhaltig in die Zukunft? – Mit erneuerbarer Fernwärme!

Jonas Hurter, Ressortleiter Energieprojekte bei den Regionalwerken Baden ist verantwortlich für das Fernwärmenetz, das im von A+W geplanten Energiekonzept des Kantonsspitals Baden eine zentrale Rolle spielt. Er zeigt die Energiezentrale Dättwil (EZD) mit dem Holzheizkraftwerk für das Fernwärmenetz und spricht über das lokale Energiesystem, seine Arbeit als Projektleiter und über Nachhaltigkeit.

Bei der Planung des Kantonsspitals Baden arbeitete A+W eng mit den Regionalwerken Baden zusammen. Wie spielt die Fernwärmeversorgung der Regionalwerke mit der Energieversorgung des Kantonsspitals zusammen?

Das Fernwärmenetz und das Kantonsspital arbeiten Hand in Hand: Hier in Dättwil in der Nähe des Spitals haben wir eine holzgefeuerte Kraft-Wärme-Kopplungsanlage. Diese versorgt das lokale Fernwärmenetz mit Wärme für das Spital sowie rund 700 Haushalte, und erzeugt gleichzeitig Strom. Da im Sommer keine Heizwärme gebraucht wird, müsste man eine solche Anlage normalerweise im Sommerhalbjahr ausschalten oder die entstandene Wärme einfach verpuffen lassen.

Im von A+W geplanten Energiekonzept des Kantonsspitals wird eine Absorptionskältemaschine unter anderem die medizinischen Geräte kühlen. Diese Kältemaschine wird durch Fernwärme aus unserem Holzheizkraftwerk gespiesen. So kann die entstandene Wärme auch im Sommer sinnvoll verwendet werden. Dadurch erreichen wir eine sehr hohe Effizienz im ganzen System und verlieren nur wenig Energie.

Das Fernwärmenetz und die Energieversorgung des Spitals sind schon lange miteinander verbunden. Früher wurde das Fernwärmenetz durch Gaskessel im Spital betrieben, doch seit dem Bau des Holzheizkraftwerks in Dättwil können wir praktisch den gesamten Wärmebedarf erneuerbar mit Holz decken. Die Gaskessel werden heute nur noch für extreme Spitzenlasten eingesetzt oder wenn das Holzheizkraftwerk aufgrund von Wartungsarbeiten ausser Betrieb ist.

Es ist mir ein grosses Anliegen, dass das System als Ganzes gesehen und verstanden wird: Es besteht aus dem Holzheizkraftwerk in Dättwil, dem Fernwärmenetz mit den Endkunden, der Absorptionskältemaschine und den Gaskesseln im Spital. Erst indem wir diese Einzelteile geschickt miteinander verbinden und alle anfallenden Energieströme klug verwenden, schaffen wir ein ökologisch und wirtschaftlich sinnvolles Gesamtsystem.

So sieht das Holzheizkraftwerk in Dättwil aus

Was motiviert die Regionalwerke, solche Projekte in Angriff zu nehmen?

Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Dekarbonisierung voranzutreiben. Die Regionalwerke Baden produzieren eigenes Biogas und decken damit 20% des Verbrauchs der Stadt. Kürzlich haben wir eine Fernwärmeleitung von der Kehrichtverwertung Turgi direkt in die Stadt gebaut. Wir arbeiten auch daran, mit Grundwasser ein Kältenetz aufzubauen.

All diese Projekte dauern in der Regel 5 bis 10 Jahre. Da muss man schon ein bisschen ein «Wadenbeisser» sein und manchmal auch die eigenen Interessen in den Hintergrund stellen. Die grosse Kunst ist es, einerseits den Gesamtüberblick zu wahren und andererseits den Details die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass Nachhaltigkeit bei uns mehr als nur ein Lippenbekenntnis ist.

Haben Nachhaltigkeit und Umweltschutz überhaupt eine Chance in einem Wirtschaftssystem, das auf Wachstum angewiesen ist?

Ich glaube schon. Aus der Sicht eines Ingenieurs ist es klar, dass in einem abgegrenzten System wie der Erde quantitatives Wachstum seine Grenzen hat. Das hat der Club of Rome schon in den 70ern gesagt.

Wir als Regionalwerk sitzen bei diesen Themen zwar nicht am längsten Hebel, aber wir können in unserem Wirkungsbereich Projekte durchführen, die dem heutigen Nachhaltigkeits- und Umweltverständnis entsprechen. Das sagte man zwar in den 70er-Jahren auch – und baute massenhaft Gaskessel. Darum sage ich: Die nächste Generation wird darüber richten können, ob unsere heutigen Energiesysteme nachhaltig sind. Ich habe aber das Gefühl, dass wir bei den Regionalwerken den aktuellen Wissensstand ausschöpfen und in unseren Projekten optimal anwenden. Wenn ich einmal Enkelkinder habe, möchte ich ihnen sagen können: Wir haben Biomassekraftwerke gebaut, PV-Anlagen, Erdsondenfelder, Fernwärmenetze, und wir taten dabei unser Bestes.

 

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Die Energielösungen von Amstein + Walthert sind dezentral, digital und dekarbonisiert.

Über den Autor:
Balduin Dettling – Praktikant
Seit 2019 bei Amstein + Walthert
Seit 2019 bei Amstein + Walthert
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