Das Bild zeigt Thomas Scheffler der bei Amstein + Walthert die Baustelle The Circle leitet.

Troubleshooter Gebäudetechnik des grössten Schweizer Bauprojekts

«The Circle» am Flughafen Zürich ist die derzeit grösste Baustelle der Schweiz. Entscheidend beteiligt dabei ist die Amstein + Walthert AG und dessen Koordinator der Gebäudetechnik-Fachbauleitung Thomas Scheffler. Im Interview berichtet er über seine Aufgaben sowie die Herausforderungen bei diesem Monsterprojekt.

Thomas, du spielst eine entscheidende Rolle auf der grössten Baustelle der Schweiz. Wie ist es dazu gekommen?

Wahrscheinlich war kein anderer da, als jemand dafür gesucht wurde (lacht).

Ich hatte gerade ein sehr anspruchsvolles und kompliziertes Projekt abgeschlossen. Ausserdem hatten wir bei dem genannten Projekt mit einigen Personalabgängen zu kämpfen – das war dann wohl meine Bewährungsprobe. Aufgrund dieses Projekts kam CEO Christian Appert auf mich zu und fragte mich, ob ich die Leitung zwischen Planung und Ausführung beim Circle-Projekt übernehmen möchte. Er gab mir dafür eine Woche Bedenkzeit, ich war jedoch ab der ersten Sekunde bereit dafür. Die Chance, an einem solch riesigen und facettenreichem Projekt teilzuhaben, gibt’s wohl nur einmal im Leben.

Wie startest du normalerweise in den Tag?

Normalerweise starte ich um 6.00 Uhr mit dem Lesen der E-Mails, die am Tag vorher oder in der Nacht reingekommen sind und die ich noch nicht abarbeiten konnte. Dann bereite ich mich für den Tag vor und um ca. 8.00 Uhr sind meistens schon die ersten Termine. Es folgen Sitzung auf Sitzung, Begehungen, Qualitätsrundgänge usw.

Kannst du deine Aufgaben und deine Verantwortung bei «The Circle» beschreiben?

Ich leite die komplette Fachbauleitung aller Gebäudetechnik Gewerke, das ist die Schnittstelle zwischen Planung und Ausführung. In diesem Team sind momentan zehn Leute, da kommen aber für die «heisse Phase» des Projekts noch ca. fünf bis sechs dazu. Meine Hauptaufgabe ist die Koordination der Fachbauleitung Gebäudetechnik und die Kontrolle der Termine und Aufgaben sowie die Überprüfung, ob der Ausführungsstand mit den Terminen und der Qualität übereinstimmt. Ich bin da überwiegend im Bereich HLKS tätig, da ich hier die Erfahrung und das Know-how mitbringe. Jedoch unterstütze ich aber auch die Elektriker und die Automations-Fachleute, auch wenn mir hier die vertiefte Fachkenntnis fehlt.

Einfach gesagt: Ich muss für alle mitdenken und erinnern. Die Termine, die gesetzt wurden, müssen auch eingehalten werden, das heisst, dass ich laufend den Montagestand und die Termine vergleichen muss. Und wenn mal etwas vergessen geht, muss ich Troubleshooter spielen und irgendwie eine Lösung mit meinem Team finden. Des weiteren ist die Koordination mit der Bauleitung ein stetiger Prozess.

Was sind die grössten Herausforderungen bei einem derart grossen Projekt?

Das grosse Projekt ist in viele kleine unterteilt. Wir haben sieben Häuser, die aber alle als einzelne Projekte anzusehen sind und alle fast gleichzeitig in Betrieb gehen. Da muss ich alles unter einen Hut bringen. Es gibt viele Abhängigkeiten untereinander: Die Häuser sind im UG miteinander verbunden und haben gemeinsame Sprinklerzentralen oder Trafos für Strom. Hier dürfen wir die Termine aller angeschlossenen Gebäuden nicht ausser Acht lassen – es sollte im Idealfall eine Gleichzeitigkeit da sein; wenn das eine nicht in Betrieb geht, geht das andere auch nicht in Betrieb.

Ebenfalls ist das Qualitätsmanagement wichtig – wir wollen ja unseren Auftraggeber, die HRS Real Estate AG, zufriedenstellen. DerBrandschutz ist zudem ebenfalls nicht ausser Acht zu lassen.

Was auch eine Herausforderung darstellt, ist die Anzahl beteiligter Mitarbeiter. Wir als Planer haben über 60 Personen allein von Amstein + Walthert, dann kommen noch ca. 25 auszuführende Haustechnikfirmen hinzu und zu guter Letzt unser Auftraggeber, die HRS Real Estate AG, ebenfalls mit über 25 Personen, mit denen man aktiv zu tun hat. Man muss immer wissen, wer wann der richtige Ansprechpartner ist.

Für viele möglicherweise unvorstellbar: Wie erstellt man einen Zeitplan für eine Baustelle solchen Ausmasses?

Der Zeitplan ist wirklich nicht einfach, denn, wie schon erwähnt, haben die einzelnen Gebäude Abhängigkeiten untereinander. Der Prozess wird von Spezialisten begleitet, bei denen Terminplanungen zum Tagesgeschäft gehören.

Wir als Planer geben die Montagezeiten vor und weisen auf Abhängigkeiten hin. Die Termine zusammenzufügen und die Verantwortung dafür obliegt zum Glück unserem Auftraggeber.

Aber jetzt, wo die heisse Phase der Installation und die Umsetzung der Planung in die Ausführung stattfindet, müssen wir natürlich darauf achten, dass die gesetzten Termine eingehalten werden.

Wie viel Zeit verbringst du auf der Baustelle?

Auf der Baustelle direkt verbringe ich nicht allzu viel Zeit. Mein Team von Fachbauleitern ist vor Ort und schwirrt wie die Bienen um die Blumen. Es gibt Wochen, bei denen ich es aufgrund von Sitzungen und dem Erstellen von Protokollen nicht auf die Baustelle schaffe, ich bin aber täglich vor Ort, da ich mein Baubüro dort habe.

Ich muss aber auch mal an einem Samstag auf einen Baustellenrundgang, damit ich wenigstens weiss, was dort vor sich geht. Insbesondere jetzt in der heissen Phase wird es wohl häufiger Samstag werden, weil ich es unter der Woche einfach nicht mehr schaffe. Aber es ist wichtig, immer wieder dort zu sein, um den Überblick behalten zu können… Ich koordiniere mit den Fachbauleitern die Termine und versuche diese zu unterstützen, damit wir ja nichts vergessen. Ich bin, wenn möglich, bei Qualitätsrundgängen dabei, da sieht man den ebenfalls Montagefortschritt.

Was folgt nach Abschluss des Projektes?

Ich spiele Lotto und hoffe auf den Gewinn … (lacht)

Falls das nicht funktioniert, dann werden viele spannende Projekte folgen. Ich hoffe auf einen Totalunternehmer-Auftrag wie ein Rechencenter oder eine grosse technische Industrieanlage. Aber auch am Flughafen sind wir schon bei vielen interessanten Vorprojektstudien und Aufträgen als Amstein + Walthert AG involviert. Da der Flughafen bis 2030 um fast 100 % mehr Passagiere befördern möchte und hierfür massive Ausbauten starten, geht uns die Arbeit sicherlich nicht so schnell aus – sofern wir Aufträge erhalten.

Sarah Enzler
Über den Autor:
Sarah Enzler – HR Assistentin
seit 2017 bei Amstein + Walthert
seit 2017 bei Amstein + Walthert
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